Manche Anstiege sind einfach nur lang. Andere sind Legenden: Orte, an denen der Giro d'Italia oder die Tour de France entschieden wurde, an denen sich Rampen jenseits von 15 % in den Berg fräsen und an denen jeder Jedermann-Fahrer einmal im Leben oben stehen will. Dieser Überblick zeigt die berühmtesten Alpenpässe für Rennradfahrer – mit Länge, Höhenmetern, Steigung, Kehrenzahl und der Geschichte dahinter.
Die Zahlen richtig lesen
Fünf Werte beschreiben einen Anstieg:
- Länge – Distanz vom Fuß bis zur Passhöhe.
- Höhenmeter – die gesamte Überwindung nach oben.
- Durchschnittssteigung – Höhenmeter geteilt durch Länge. Täuscht: Der Col de l'Iseran hat im Schnitt nur 4,1 %, ist aber fast 48 km lang.
- Maximalsteigung – die steilste Rampe. Am Stilfser Joch bis 21 %.
- Kehren – die Spitzkehren. Ihre Zahl ist zum Markenzeichen mancher Pässe geworden.
Italien
Die Härte der italienischen Alpen: enge Sträßchen, brutale Rampen, Giro-Mythos.
Stilfser Joch – 2.757 m
21,7 km, 1.580 Höhenmeter, Ø 7,4 %, bis 21 % Rampe – und 48 nummerierte Kehren, die sich wie eine Treppe in die Ostwand legen. Die zweithöchste Passstraße der Alpen, seit 1825 befahrbar, für viele der schönste Anstieg überhaupt.
Passo del Mortirolo – 1.852 m
Nur 12,4 km, aber Ø 10,5 % und Rampen bis 18 %. Kein Panorama, kaum Erholung – seit der Giro-Erstbefahrung 1990 gilt die Auffahrt von Mazzo als härtester Anstieg Italiens.
Passo di Gavia – 2.621 m
17,3 km, Ø 8,0 %, stellenweise 16 %, oben eine schmale, ungesicherte Hochebene. Berühmt wurde der Gavia durch den Schneesturm-Giro von 1988.
Passo Pordoi – 2.239 m
Von Arabba 9,2 km bei gleichmäßigen Ø 6,9 % und 33 Kehren – der rhythmischste Anstieg der Sellaronda und der Pass, den der Giro am häufigsten überquert hat.
Frankreich
Weite Serpentinen, Tour-Geschichte und mit dem Ventoux ein Berg ganz für sich.
Col du Galibier – 2.642 m
Von Valloire 17,7 km, 1.245 Höhenmeter, Ø 6,9 %. Seit 1911 im Programm der Tour de France und meist ihr höchster Punkt – oft kombiniert mit dem Col du Télégraphe direkt davor.
Col du Tourmalet – 2.115 m
19,0 km von Luz-Saint-Sauveur, 1.404 Höhenmeter, Ø 7,4 %. Der am häufigsten befahrene Pass der Tour überhaupt – das Dach der Pyrenäen, erstmals 1910 im Rennen.
Mont Ventoux – 1.909 m
Von Bédoin 21,4 km, 1.610 Höhenmeter, Ø 7,5 %, kein einziger flacher Meter. Nach dem Wald von Saint-Estève beginnt die berüchtigte Mondlandschaft mit Wind, Hitze und keiner Deckung. Der «Gigant der Provence».
Alpe d'Huez – 1.860 m
13,8 km, Ø 8,1 %, 21 nummerierte Kehren – jede mit dem Namen eines Etappensiegers. Seit 1952 Tour-Ziel und die lauteste Bergankunft im Radsport.
Col de l'Iseran – 2.764 m
Von Bourg-Saint-Maurice 47,5 km bei nur Ø 4,1 % – der höchste asphaltierte Alpenpass. Kein steiler Anstieg, sondern ein langer Weg in dünne Luft.
Welcher Pass ist der härteste?
Kommt darauf an, was einen fertigmacht. Reine Steilheit: der Mortirolo mit Ø 10,5 %. Länge plus Rampen plus Höhe: das Stilfser Joch mit 48 Kehren und 21-%-Passagen auf über 2.700 m. Kopf: der Ventoux – kein Flachstück zum Verschnaufen, dazu Wind und Hitze in der Geröllwüste.
Beste Reisezeit und Vorbereitung
Die meisten Hochpässe sind erst ab Juni bis Ende September schneefrei; Gavia und Iseran öffnen oft spät. Starte früh – am Nachmittag drohen Gewitter, am Ventoux dreht der Mistral auf. Für die steilen Anstiege lohnt eine Kompaktkurbel (34) mit 30 bis 34 Zähnen hinten. Zeichne die Auffahrt mit Strava, Garmin oder Wahoo auf – die GPX-Datei brauchst du später noch.
Deinen Pass an die Wand
Wenn du einen dieser Anstiege gefahren bist, kannst du ihn als Poster festhalten – der Streckenverlauf von oben gezeichnet, dazu Distanz, Höhenmeter, Kehren und optional dein Name und das Datum deiner Auffahrt. Gerade die Kehren-Monster wie das Stilfser Joch (48) oder Alpe d'Huez (21) ergeben als Linie ein eigenes Muster – ein Höhenprofil hätte das nie. Alle Pässe aus diesem Artikel gibt es in der Pässe-Serie.
Du hast einen anderen Anstieg in den Beinen – einen, der hier nicht steht? Lade deine GPX-Datei hoch und mach daraus dein eigenes Poster.
Egal ob Stelvio, Mortirolo oder der Hausberg vor der eigenen Tür: Der Berg bleibt an der Wand.