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Stilfser Joch mit dem Rennrad: die drei Auffahrten im Vergleich

Prad, Bormio oder Santa Maria über den Umbrail: Länge, Höhenmeter, Kehren und Charakter der drei Seiten des Stelvio. Plus: welche Auffahrt zu dir passt.

Jens Freudenau · · 4 min
Stilfser Joch mit dem Rennrad: die drei Auffahrten im Vergleich

Das Stilfser Joch ist mit 2.757 m die höchste Passstraße Italiens und nach dem Col de l'Iseran die zweithöchste der Alpen. Seit 1825 führt hier eine Straße über den Berg – und für Rennradfahrer gibt es gleich drei Wege nach oben: von Prad in Südtirol, von Bormio in der Lombardei und von Santa Maria im Schweizer Val Müstair über den Umbrailpass. Jede Seite fährt sich anders.

Die drei Auffahrten auf einen Blick

Auffahrt Start Länge Höhenmeter Ø Steigung Kehren
Prad (Südtirol) rund 950 m 24,3 km 1.808 m 7,4 % 48
Bormio (Lombardei) 1.215 m 21,5 km 1.533 m 7,1 % rund 40
Santa Maria über den Umbrail (Schweiz) 1.370 m rund 16,5 km rund 1.400 m rund 8,5 % zahlreiche

Die Umbrail-Route trifft rund 3 km unterhalb der Passhöhe auf die Straße von Bormio; die letzten Kilometer teilen sich beide Auffahrten.

Von Prad: der Klassiker mit 48 Kehren

Die Nordostrampe ist die Auffahrt, die man von Fotos kennt. 48 Kehren, jede mit einem nummerierten Stein, zählen von unten nach oben herunter. Bis Trafoi geht es durch Wald, danach wird es offener, ab der Franzenshöhe liegt die berühmte Kehrenwand direkt vor dir. Das letzte Drittel verläuft über 2.000 m – die Luft wird dünn, die Beine schwer. Mit 24,3 km und gut 1.800 Höhenmetern ist es die längste und härteste der drei Seiten.

Gut zu wissen: An Sommerwochenenden ist auf dieser Seite viel Motorradverkehr. Wer früh startet, hat die Kehren fast für sich.

Von Bormio: die Giro-Seite

Von Bormio sind es 21,5 km mit Ø 7,1 % und rund 40 Kehren. Im unteren Teil führt die Straße durch mehrere Galerien – ein Rücklicht gehört ans Rad. Weiter oben öffnet sich das Tal, kurz vor dem Ziel stößt die Umbrail-Straße dazu. Die Bormio-Seite ist gleichmäßiger als Prad und lässt sich gut mit Gavia und Mortirolo zu einer großen Runde kombinieren. Der Giro d'Italia hat das Joch oft befahren, häufig als Cima Coppi, als höchsten Punkt der Rundfahrt.

Von Santa Maria über den Umbrail: die ruhige Seite

Aus dem Schweizer Val Müstair geht es von Santa Maria (1.370 m) durch das Val Muraunza hinauf zum Umbrailpass auf 2.501 m – der höchsten Passstraße der Schweiz. Danach folgen ein kurzes Flachstück und die letzten rund 3 km auf der Bormio-Straße bis zum Joch. Diese Seite ist die kürzeste, aber im Schnitt die steilste, und mit Abstand die ruhigste: wenig Verkehr, viele Kehren, kaum Galerien.

Welche Auffahrt passt zu dir?

  • Das erste Mal am Stelvio: Prad. Die 48 Kehren sind das Erlebnis, für das man herkommt.
  • Ruhe und Natur: Santa Maria über den Umbrail.
  • Mehrere Pässe an einem Tag: Bormio, kombiniert mit Gavia oder Mortirolo.
  • Die große Runde: Hoch von Prad, über den Umbrail hinunter ins Val Müstair und zurück in den Vinschgau – drei Länderecken an einem Tag.

Praktische Tipps

  • Saison: Die Passstraße ist meist von Ende Mai oder Juni bis in den Oktober geöffnet, abhängig vom Schnee.
  • Autofreie Tage: Beim Stelvio Bike Day ist der Pass an einzelnen Sommertagen nur für Radfahrer offen – Termine rechtzeitig prüfen.
  • Kleidung: Oben ist es auch im Hochsommer oft unter 10 °C. Windweste und Armlinge für die Abfahrt gehören in die Trikottasche.
  • Übersetzung: Kompaktkurbel mit 34 Zähnen vorn und mindestens 30 hinten macht die langen Rampen erträglich.

Wie lange du für die Auffahrt brauchst und was eine gute Zeit ist, steht in unserem Artikel Was ist eine gute Zeit am Alpe d'Huez, Stilfser Joch und Mont Ventoux?

Das Stilfser Joch an deiner Wand

Unser Stilfser-Joch-Poster zeigt die Auffahrt von Bormio als Linie mit Distanz, Höhenmetern und Kehren – auf Wunsch mit deinem Namen, dem Datum deiner Auffahrt und deiner Zeit. Bist du von Prad oder über den Umbrail gefahren? Dann lade deine GPX-Datei hoch und mach aus genau deiner Strecke ein Poster. Weitere Klassiker findest du in der Pässe-Serie und im Überblick über die legendärsten Alpenpässe.

 

Foto von Samuele Bertoli auf Unsplash

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